Feedback von Jana Kadanka zu Ivos Frage an
die Community:
"Den Knoten dürfen wir behalten. Wie viele Knoten braucht man für ein Netz?"
(aus dem Text "Geister" über das Bild "Die Reise" von Sabina Smiljanic )
Janas Antwort:
und wieder am bahnsteig: trubel, aufregung und hektik.
sie bahnt sich eine flucht durch die menge. das gepäck ist schwer und unhandlich, deshalb trägt sie es über der schulter, so kann sie schneller diesen ort verlassen. diesen ort einer unerwarteten begegnung, verstörend und erregend zugleich. doch dann bleibt sie plötzlich stehen, in der hoffnung, dadurch die erinnerung daran ein stück länger zu bewahren, so, wie man nach dem aufwachen den traum noch eine weile festhalten will, indem man die augen wieder schließt, um ihn in den tag zu retten.
taxi, taxi!
auf der fahrt in ihre wohnung kann sie ganz eintauchen in die dunkelheit und geborgenheit der vergangenen nacht. wer dieser mann war, wird sie wohl nie erfahren. doch diese frau dachte sie, würde sie kennen, denn diese frau war sie.
aber heute nacht war das eine ganz andere frau. sie ist hinabgestiegen in die hintersten winkel ihrer selbst, dorthin, wo man sich nur tastend vorwärts bringen kann und hat, in der begegnung mit einem wildfremden mann, ihr spiegelbild erkannt ...
eine ganz andere seite ihrer persönlichkeit entdeckt und einen blick auf die verschlungenen pfade ihre seele geworfen. die begegnung führt zur verbindung,
die verbindung wird zur verflechtung. den knoten trägt sie wie ein schmuckstück um den hals, geknüpft aus zwei bändern, nahe am herzen.
so kostbar, weil sich dabei zwei teile ihrer selbst verbinden.
dann braucht es kein netz.